Bewegung

Bewegung im Alltag: kleine Wege statt grosser Vorsätze

· von Jonas Wyss, Redaktion FKVS

Viele Menschen verbinden Bewegung mit Sportkleidung, Fitnessabo und festen Trainingszeiten. Das kann motivieren, schreckt aber auch ab. Für die Gesundheit zählt jedoch nicht nur das geplante Training, sondern auch die Summe der kleinen Wege im Alltag: Treppen, Velofahrten, ein Spaziergang in der Mittagspause oder das Aufstehen zwischen zwei Sitzungen.

Warum der Alltag so viel ausmacht

Wer den grössten Teil des Tages sitzt, profitiert schon von regelmässigen Unterbrechungen. Es geht weniger um Leistung als um Gewohnheit. Ein kurzer Gang zum Fenster, das Telefonat im Stehen oder eine Haltestelle früher aussteigen sind unscheinbar. Über Wochen ergeben solche Entscheidungen aber spürbar mehr Bewegung, ohne dass zusätzlich Zeit eingeplant werden muss.

Gesundheitsfachstellen empfehlen Erwachsenen, sich pro Woche mindestens zweieinhalb Stunden mit mittlerer Intensität zu bewegen. Diese Zeit darf in kleinen Portionen zusammenkommen. Zügiges Gehen, bei dem man noch sprechen, aber nicht mehr singen kann, ist ein brauchbarer Anhaltspunkt.

Ideen, die sich leicht umsetzen lassen

  • Arbeitsweg: Ein Teil der Strecke zu Fuss oder mit dem Velo. Routen für Velo und Wanderungen findet man etwa bei SchweizMobil.
  • Pausen: Nach dem Mittagessen zehn Minuten draussen gehen statt sofort zurück an den Bildschirm.
  • Termine: Gespräche zu zweit als «Walking Meeting» abhalten, wenn es der Inhalt erlaubt.
  • Zuhause: Beim Warten auf den Wasserkocher die Waden heben oder ein paar Kniebeugen machen.
  • Freizeit: Einen Ausflug mit einer kurzen Wanderung verbinden statt nur mit dem Auto anzureisen.

Gewohnheiten statt Willenskraft

Vorsätze scheitern oft daran, dass sie zu gross sind. Wirksamer ist es, eine neue Gewohnheit an eine bestehende zu koppeln: nach dem Kaffee die Treppe, nach dem Feierabend eine Runde ums Quartier. Wer notiert, wann es gut geklappt hat und wann nicht, erkennt schnell, welche Hürden wirklich im Weg stehen, etwa Wetter, Müdigkeit oder fehlende Zeit am Morgen.

Auch ein Rückschritt ist kein Scheitern. Eine Woche mit wenig Bewegung lässt sich in der nächsten ausgleichen. Wichtig ist, dass Bewegung nicht zur Pflichtübung wird, sondern einen festen und möglichst angenehmen Platz im Tagesablauf erhält.

Wann Rücksprache sinnvoll ist

Wer längere Zeit inaktiv war, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Gelenkprobleme oder eine chronische Erkrankung hat, bespricht den Einstieg am besten mit der Hausärztin oder dem Hausarzt. Das gilt auch, wenn bei Belastung Schmerzen, Atemnot oder Schwindel auftreten. Für die meisten Menschen gilt aber: Jeder zusätzliche Schritt zählt, und der beste Zeitpunkt für den ersten ist meistens heute.

Wer mag, beginnt mit einer einzigen Veränderung pro Woche und prüft danach, ob sie sich gut anfühlt.